Das Netz ist der Computer …
… schon heute … und wie wird sich das auf die Informatikbranche auswirken?
Das Unternehmen Sun Microsystems prognostiziert, der PC werde sehr bald durch Thin Clients abgelöst. Aus Kostengründen, aus Energiespargründen, und weil es bedeutend effizienter ist, eine Software auf einem Server einmal zu warten und zu administrieren als zigmal auf jedem PC.
Netzanwendungen zu nutzen ist bereits Realität, wie jeder Anwender an sich selbst feststellen kann:
- Statt im gedruckten SBB-Fahrplan eine Verbindung zu suchen wird die Webseite der SBB konsultiert. Einfacher, günstiger, schneller, komfortabler.
- Statt im Telefonbuch zu blättern oder Twixtel zu installieren wird das Telefonbuch von Search.ch genutzt. Einfacher, günstiger, schneller, komfortabler.
- Statt das Twix Route auf dem eigenen PC zu installieren und zu pflegen wird für die Routenplanung Yahoo oder Via Michelin online genutzt. Einfacher, günstiger, schneller, komfortabler.
- Anstatt eine Office Software auf dem eigenen PC zu installieren und zu warten wird Google Office genutzt. Einfacher, günstiger, schneller, komfortabler.
- Anstatt zuhause ein 30-bändiges Lexikon zu lagern oder auf dem PC zu installieren wird die Wikipedia genutzt. Einfacher, günstiger, schneller, komfortabler.
- Anstatt selber einen Homepage- und Emailserver zu betreiben werden die Services eines ISP-Anbieters genutzt. Ein elektronischer Terminkalender ist im Preis bereits mit eingeschlossen. Einfacher, günstiger, schneller, komfortabler.
- Sogar Services wie CRM sind bereits im Netz verfügbar, wie Salesforce zeigt. Einfacher, günstiger, schneller, komfortabler.
Diese Dinge sind alle nicht Fiktion, sondern bereits Realität.
Umso mehr erstaunt es, wenn von Hardwareherstellern und Freaks die neuen Bonsai-Notebooks belächelt werden. Eine CPU mit 1,2 GHz, ein 9- oder 10-Zoll-Bildschirm und ein 120 GB-Harddisk reichen für den normalen PC-Anwender völlig, um seine eMails zu bearbeiten, im Netz zu surfen, seine Privatkorrespondenz zu erledigen und mit seinen Kindern die Hausaufgaben zu erledigen. Für Unternehmen ist es ähnlich: die meisten Anwender arbeiten an irgendeinem Auftragsbearbeitungssystem wie z. B. SAP. Dazu brauchen sie eMail, ein Textprogramm, eine Tabellenkalkulation und hie und da Powerpoint, um eine Präsentation zu erstellen. Diese Anwender, die das Gros der PC-Nutzer ausmachen, brauchen keinen 24-Zoll-Bildschirm, keine 4 GHz-CPU mit Quadprozessoren und keinen 500GB-Harddisk. Nein, eine CPU mit 2…4 Watt Stromverbrauch genügt völlig.
Weil auf dem Arbeitsgerät des Normalanwenders nur noch ein Betriebssystem wie zum Beispiel Windows XP oder Linux und ein Webbrowser installiert sein müssen. Die Anwendungen kommen alle vom Netz.
Die Folge wird sein, dass die Hardwarehersteller lernen müssen, Geräte zu entwickeln und zu verkaufen, die noch 500 Franken kosten und nicht mehr 2’000 Franken wie bisher. Das dürfte schmerzhafte Einschnitte bedeuten, weil bei diesem Preisverfall die ganzen Geschäftsmodelle neu erfunden werden müssen. Für die High-End-PC’s stehen für die Weiterentwicklung folglich weniger Mittel zur Verfügung, die zudem auf niedrigere Stückzahlen umgelegt werden müssen. Das heisst, die Power-Workstations werden mittelfristig tendenziell im Preis steigen, was sich zusätzlich negativ auf die Stückzahlen auswirken wird.
Wer weiss, wenn die Miniaturisierung so weitergeht ist diese Funktionalität vielleicht schon bald im Handy eingebaut.
Auf den normalen PC-Anwender kommen sonnige Zeiten zu: Die Hardware wird bedeutend günstiger und die Softwarekosten werden ebenfalls tendenziell niedriger. Die Administration eines PC’s wird gigantisch vereinfacht.
Für die Informatik-Firmen wird’s beinhart: Die Verkaufspreise werden sinken. Wenn nur noch Betriebssystem und Browser installiert werden müssen sinken die Differenzierungsmöglichkeiten. Das heisst, der Wettbewerb wird sich noch vermehrt auf die Preisebene verlagern.
Ebenfalls steifer Wind dürfte den Serviceunternehmen ins Gesicht wehen. Wenn auf einem PC oder Notebook nur noch Betriebssystem und Browser installiert werden müssen, dürfte der Supportbedarf um 60 – 80 % schrumpfen. Bei Sun Microsystems, die dieses Konzept firmenintern bereits realisiert haben, genügt ein Systemadministrator für 2’000 Anwender.
This entry was posted on Montag, Mai 12th, 2008 at 16:46 and is filed under Informatik, Marketing, Neue Produkte, Technologie und Wissenschaft. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.