Hans Brunhart beschreibt im Treuhänder 2006/12 das Anforderungsprofil des Verwaltungsrats und die gewandelte Rolle des Führungsgremiums. In der Rolle als Führungsrat ist der VR gefordert im Strategieprozess und in der Managemententwicklung.
Untersucht man weiter, wer im Unternehmen für welche Art von Veränderung zuständig ist, postuliert Marc Maurer einen Ansatz, der auf die VR-Praxis von Mario Fontana zurückgeht: Die operative Führung ist für das Halten der Wettbewerbsstärke zuständig. Das Steigern der Wettbewerbsstärke ist die Aufgabe der Geschäftsleitung. Das Auslösen oder Anstossen von Sprüngen ist die Zuständigkeit des Verwaltungsrats.
Durchdenkt man dies vertieft, so bedeutet dies, dass die grösste Innovationskompetenz im Verwaltungsrat liegen muss. Da Durchbruchinnovationen meistens mit neuen Technologien verknüpft sind bedeutet dies weiter, dass im VR auch eine entsprechende Technologiekompetenz vorhanden sein muss. Die Checks und Balances müssen stimmen.
Ein Blick auf die Unternehmensgeschichte und die Erfolge und Misserfolge der letzten paar Jahre zeigt rasch, ob die Zusammensetzung des Verwaltungsrats stimmt, oder ob die Wahl einer Persönlichkeit mit Innovations- und Technologiekompetenz in den Verwaltungsrat für die Steigerung des Unternehmenswerts förderlich wäre.
Während der gegenwärtigen Wirtschaftskrise wird viel über “doom and gloom” – das Weltuntergangsszenario – geredet. Michael Porter von der Harvard University regt an, hier zu differenzieren. Er glaubt, dass diese Zeit grosser wirtschaftlicher Umbrüche ein Wendepunkt für Unternehmen ist – wenn sie es verstehen, die Unternehmensstrategie richtig aufzuzäumen.
“It’s time like these when tremendous competitive success can be achieved. It’s time like these where companies can shift positions in the marketplace. It’s times like these when leaders can become followers, and follower can become leaders, because we are in a period where everything is now going to open and unfreeze.”
Quelle: Insead Newsletter
Ein schönes Beispiel einer Unternehmensstrategie beschreibt Philipp Löpfe im Tages-Anzeiger.
Der Automobilhersteller Ford hat einen neuen CEO bekommen. Getreu dem Grundsatz “neue Besen kehren gut” hat er als erstes die Unternehmensstrategie von Ford kritisch hinterfragt.
Herausgekommen ist dabei etwas Brilliantes, das für die Kommunikation im Stil von “Zen Presentation” auf das Maximum komprimiert worden ist:
“One Ford, one Team, one Plan, one Goal”.
Klarer Fokus, klare Aussage, wird von jedermann verstanden, kann konsequent umgesetzt werden.
Beim Erarbeiten oder Überarbeiten einer Unternehmensstrategie ist die Umweltanalyse ein bedeutendes Element.
Die “Zeit” publiziert eine Übersicht über die gegenwärtigen Ungleichgewichte auf der Welt. Sie kann international tätigen Unternehmen Hinweise auf Chancen und Risiken geben.
Jack Ma, der CEO des chinesischen Internetportals Alibaba.com, hat Yahoo das chinesische Geschäft abgekauft. Auf dem Gebiet der Internet-Auktionen ist Alibaba bereits bedeutend grösser als eBay.
Mr. Ma vergleicht AOL, Google und Yahoo mit Haien, die die europäischen und amerikanischen Internetmärkte dominieren. In den asiatischen Ländern sind sie aber wenig präsent. Alibaba vergleicht er mit einem Krokodil, das im Jangtsekiang zuhause ist. Er sieht seine Stellung im asiatischen Markt als unangreifbar an.
Seine Ausgangslage ist allerdings gut. In China, Indien und in weiteren asiatischen Ländern kann er eine Bevölkerung von über 2 Milliarden Menschen erreichen. Auch wenn sicherlich erst ein Teil dieser Menschen die Kaufkraft hat, um am Internet teilzunehmen, ist die Rolle von Alibaba trotzdem sehr interessant: Mit dem “100-Dollar-Notebook“, das gegenwärtig durch Nicholas Negroponte am MIT entwickelt wird, wird die kommerzielle Einstiegsschwelle für das Internet um circa den Faktor 10 gesenkt. Das heisst, die Teilnehmerzahlen werden schlagartig zunehmen. Eine flächendeckende Infrastruktur haben diese Länder noch keine. WiMax kommt hier zeitlich genau richtig. Damit lassen sich grosse Gebiete kostengünstig mit Telefon, Fernsehen und Internet versorgen. Hier entsteht auch volkswirtschaftlich ein Vorteil für die Schwellenländer: Sie erhalten modernste Technologie zu niedrigen Kosten, während wir in Europa und USA mit teuren, drahtgebundenen Kommunikationsmitteln und teilweise immer noch kartellistisch agierenden Telefongesellschaften weiter absinken dank zu hohen Kosten und damit einhergehender sinkender Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Tigerstaaten.
Für den Anwender in Asien ergibt sich dank günstigem Internetzugang und eBay-ähnlichen Börsenstrukturen die Möglichkeit, mit seiner beschränkten Kaufkraft sich die grösstmögliche Lebensqualität und den grösstmöglichen Komfort leisten zu können.
Die Konsequenz daraus ist, dass bei Formulieren einer Unternehmensstrategie in einem multinationalen Unternehmen von allem Anfang an die ganze Welt betrachtet wird. Ein Fokus nur auf die Industrieländer dürfte bei vielen Unternehmen zu kurz greifen.